Vaterrechte Schweiz
In Zusammenarbeit mit der Kindesschutzorganisation Schweiz
Gerichtsfälle

Gerichtsfälle



Bei Streit der Eltern, erhält der Nichtsorgeberechtigte kein Sorgerecht

Zurück
Datum: 22.06.2011 Drucken / PDF erstellen:
Herkunft: Polyreg Weitere Dokumente: -
   
5A_72/2011

Urteil vom 22. Juni 2011
II. zivilrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichterin Hohl, Präsidentin,
Bundesrichterin Escher,
Bundesrichter L. Meyer, Marazzi, von Werdt,
Gerichtsschreiber Zbinden.

Verfahrensbeteiligte
X.________,
Beschwerdeführer,

gegen

Z.________,
vertreten durch Rechtsanwältin Ursula Stempfel,
Beschwerdegegnerin.

Gegenstand
Ehescheidung,

Beschwerde gegen das Urteil des Obergerichts des Kantons Bern, Appellationshof,
2. Zivilkammer, vom 3. November 2010.

Sachverhalt:

A.
X.________ und Z.________ ehelichten sich am xxxx 2001. Sie sind die Eltern der
Tochter Y.________ (geb. xxxx 2001). Mit Urteil vom 15. Dezember 2009 des
Gerichtspräsidenten 2 des Gerichtskreises IX Schwarzenburg-Seftigen wurde die
Ehe der Parteien in Anwendung von Art. 114 ZGB geschieden. Die angerufene
Instanz regelte die Nebenfolgen der Scheidung. Die gemeinsame Tochter der
Parteien wurde unter die elterliche Sorge von Z.________ gestellt und
X.________ berechtigt, seine Tochter alle vierzehn Tage von Freitag 17.00 Uhr
bis Sonntag 18.00 Uhr und ausserdem jeden Mittwochnachmittag nach der Schule
bis 18.00 Uhr zu sich zu nehmen, sofern es die schulischen Aktivitäten
erlauben. Ferner wurde ihm ein Ferienrecht von sechs Wochen pro Jahr
eingeräumt. Die bereits angeordnete Erziehungsbeistandschaft gemäss Art. 308
Abs. 2 ZGB blieb aufrecht erhalten und der Beistand bzw. die Beiständin wurde
insbesondere mit der Regelung der Details des Ferienrechts im Streitfall
beauftragt.

B.
X.________ appellierte gegen das erstinstanzliche Urteil im Scheidungspunkt
sowie bezüglich der Kinderbelange. Mit Urteil vom 3. November 2010 stellte das
Obergericht des Kantons Bern fest, dass das Urteil im Scheidungspunkt am 15.
Januar 2010 in Rechtskraft erwachsen sei (Ziff. 1), und bestätigte die
erstinstanzliche Regelung bezüglich der elterlichen Sorge über die gemeinsame
Tochter (Ziff. 3). Ferner regelte es den persönlichen Verkehr zwischen
X.________ und seiner Tochter neu wie folgt (Ziff. 6): a) X.________ betreut
Y.________ alle zwei Wochen von Freitag 17.00 Uhr bis Dienstagmorgen
Schulbeginn und in den anderen Wochen von Montagmittag Schulschluss bis
Dienstagmorgen Schulbeginn. b) Wochenenden, die in die Ferien oder auf
Feiertage fallen oder aus einem Grund, der beim Vater liegt, nicht durchgeführt
werden können, sind nicht zu kompensieren. c) In den geraden Jahren verbringt
Y.________ das Pfingstwochenende von Freitag 17.00 Uhr bis Pfingstmontag 18.00
Uhr beim Vater und das Osterwochenende von Karfreitag 17.00 Uhr bis Ostermontag
18.00 Uhr bei der Mutter. In den ungeraden Jahren gilt die gleiche Regelung
umgekehrt. d) In den ungeraden Jahren verbringt Y.________ ihren Geburtstag bei
der Mutter in den geraden Jahren beim Vater. e) Y.________ verbringt jährlich
sechs Wochen Ferien beim Vater. Davon ist eine Woche in den Weihnachtsferien,
und zwar entweder bis zum 25. Dezember 10.00 Uhr oder ab dem 25. Dezember 10.00
Uhr zu beziehen. f) Details regelt im Streitfall die gemäss Ziffer 8 hiernach
eingesetzte Beistandsperson. Die übrigen Anträge zu den Kinderbelangen wies das
Obergericht ab (Ziff. 7) und erkannte, dass die Erziehungsbeistandschaft gemäss
Art. 308 Abs. 2 ZGB zur Überwachung des persönlichen Verkehrs weiter bestehen
bleibe (Ziff. 8).

C.
X.________ (Beschwerdeführer) hat gegen dieses Urteil am 30. Januar 2011
Beschwerde in Zivilsachen erhoben. Er beantragt, die gemeinsame Tochter
Y.________ unter die gemeinsame elterliche Sorge beider Eltern zu stellen und
im Interesse der Tochter eine Mediation gemäss BGE 5A_457/2009 vom 9. Dezember
2009 zu verfügen und als Fachperson Frau Dr. S.________ mit der Durchführung
der Mediation zu beauftragen. Ferner stellt der Beschwerdeführer einen
Auftragskatalog zuhanden der Fachperson auf (Antrag 2). Sodann ersucht er, den
persönlichen Verkehr zwischen ihm und seiner Tochter in Abänderung von Ziff. 6
des angefochtenen Urteils wie folgt neu zu regeln: a) X.________ betreut
Y.________ alle zwei Wochen von Freitag 17.00 Uhr bis Dienstagmorgen
Schulbeginn. In den anderen Wochen betreut er Y.________ von Sonntagabend 17.00
Uhr bis Dienstagmorgen Schulbeginn. Im Sinne seiner Pflichten als Vater bleibt
X.________ den ganzen Dienstagmorgen (bis Schulschluss 11.50 Uhr)
Ansprechperson für die Lehrkräfte von Y.________. b) Wochenenden, die in die
Ferien oder auf Feiertage fallen, sind nicht zu kompensieren. Betreuungszeiten,
die aus plausiblen und korrekt nachweisbaren Gründen von den Eltern entgegen
einer bestehenden Regelung (Betreuungsplan) nicht wahrgenommen werden können,
sollen im Rahmen des definierten Umfangs kompensiert werden können. Die
Beistandschaft der gemeinsamen Tochter protokolliert, vermittelt und klärt
gemäss ihrem Auftrag nach Art. 308 Abs. 2 ZGB im Interesse der gemeinsamen
Tochter. c) keine Änderung. d) In den ungeraden Jahren verbringt Y.________
ihren Geburtstag bei ihrer Mutter, in den geraden beim Vater. Ein Kurzbesuch
(15 Minuten) am tatsächlichen Geburtstag soll auf Wunsch von Y.________ vom
Elternteil am jeweiligen Aufenthaltsort von Y.________ ermöglicht und nicht
behindert werden. e) Y.________ verbringt die Hälfte ihrer tatsächlichen
Schulferien bei einem, die andere beim anderen Elternteil. Davon ist pro
Elternteil je eine Woche in den Weihnachtsferien zu beziehen. In den ungeraden
Jahren verbringt Y.________ Weihnachten bei ihrem Vater, in den geraden bei
ihrer Mutter. Schliesslich sei Punkt 6 lit. g, wonach in der Vergangenheit
ausgefallene Betreuungszeiten nicht kompensiert werden, ersatzlos zu streichen.
Ziffer 7 des vorinstanzlichen Urteils sei dahingehend wie folgt zu ändern: Die
Vormundschaftsbehörde der Gemeinde A.________ und die Beistandschaft von
Y.________ wird über die explizit in Punkt 2.9 aufgeführte, nötige und erhöhte
Wachsamkeit im Rahmen der Aufsichtspflicht der Mutter von Y.________
informiert. Relevante Informationen müssen gegenseitig, ereignisnah, aktiv und
zum Schutz von Y.________ von der Vormundschaftsbehörde an die Beistandschaft
weitergegeben werden.. Schliesslich verlangt der Beschwerdeführer, dass der im
Urteil erneut falsch festgehaltene Ort der Eheschliessung (B.________ statt
C.________) korrekt aufgeführt werde.

Es sind keine Vernehmlassungen eingeholt worden.

D.
Das Gesuch des Beschwerdeführers um aufschiebende Wirkung ist mit Verfügung vom
31. Januar 2011 abgewiesen worden.

Erwägungen:

1.
1.1 Angefochten ist ein letztinstanzlicher (Art. 75 Abs. 1 BGG) kantonaler
Endentscheid (Art. 90 BGG) betreffend nicht vermögensrechtliche Nebenfolgen der
Ehescheidung und damit eine Zivilsache im Sinn von Art. 72 Abs. 1 BGG. Die
Beschwerde in Zivilsachen ist somit gegeben.

1.2 Strittig sind im vorliegenden Fall die gemeinsame elterliche Sorge über die
Tochter, die Mediation und das Besuchsrecht sowie die Anordnung bestimmter
Informationen an die Vormundschaftsbehörde und die Beiständin. Auf die
Beschwerde ist nicht einzutreten, soweit der Beschwerdeführer den Ort der
Eheschliessung geändert haben will, ist doch diese Frage gegebenenfalls auf dem
Weg der Berichtigung des obergerichtlichen Urteils zu korrigieren (Art. 334
ZPO).

1.3 In der Beschwerde ist in Auseinandersetzung mit den Erwägungen des
angefochtenen Entscheids darzulegen, welche Rechte der beschwerdeführenden
Partei durch das kantonale Gericht verletzt worden sind (Art. 42 Abs. 2 BGG;
BGE 134 II 244 E. 2.1 S. 245), wobei eine Verletzung verfassungsmässiger Rechte
vom Bundesgericht nicht von Amtes wegen, sondern nur dann geprüft wird, wenn
solche Rügen in der Beschwerdeschrift ausdrücklich erhoben und begründet werden
(Art. 106 Abs. 2 BGG; BGE 135 III 232 E. 1.2 S. 234). Wird eine
Sachverhaltsfeststellung beanstandet, muss in der Beschwerdeschrift dargelegt
werden, inwiefern diese Feststellung willkürlich oder durch eine andere
Rechtsverletzung im Sinn von Art. 95 BGG (z.B. Art. 29 Abs. 2 BV oder Art. 8
ZGB) zustande gekommen ist (vgl. BGE 133 II 249 E. 1.2.2 und 1.4.3 S. 255) und
inwiefern die Behebung des Mangels für den Ausgang des Verfahrens entscheidend
sein kann (Art. 97 Abs. 1 in fine BGG; BGE 135 I 19 E. 2.2.2 S. 22). Auf rein
appellatorische Kritik am Sachverhalt tritt das Bundesgericht nicht ein. In der
Beschwerde in Zivilsachen dürfen überdies keine neuen Tatsachen und
Beweismittel vorgebracht werden, es sei denn, erst der Entscheid der Vorinstanz
habe dazu Anlass gegeben (Art. 99 Abs. 1 BGG). In der Beschwerde ist darzutun,
inwiefern die Voraussetzung für eine nachträgliche Einreichung von Tatsachen
und Beweismitteln erfüllt sein soll (BGE 133 III 393 E. 3 S. 395).

Die Beschwerde vermag zum grössten Teil den aufgezeigten
Begründungsanforderungen nicht zu genügen, da einerseits einfach
Gesetzesbestimmungen wiedergegeben und Bundesgerichtsentscheide sowie
Lehrmeinungen zitiert werden, ohne aber anhand der Erwägungen zur Frage der
gemeinsamen elterlichen Sorge, der Mediation und des Besuchsrechts sowie
bezüglich der angeblich zu erteilenden Weisung aufzuzeigen, inwiefern das
Obergericht insoweit Bundesrecht verletzt hat. Auf die nicht gehörig
begründeten Rügen ist von vornherein nicht einzutreten.

2.
Das Obergericht hat dem Antrag des Beschwerdeführers auf Anordnung eines
gemeinsamen elterlichen Sorgerechts über die Tochter nicht entsprochen und dazu
im Wesentlichen erwogen, bei der Entscheidung über die elterliche Sorge stehe
das Kindeswohl im Zentrum und nicht die Interessen der Eltern bzw.
gesellschaftspolitische Überlegungen. Das Gericht belasse die gemeinsame
elterliche Sorge auf Antrag beider Eltern, sofern sich diese in einer
genehmigungsfähigen Vereinbarung darüber geeinigt hätten und das Kindeswohl
gewahrt werde. Dabei bildeten Kooperationswille und -fähigkeit beider
Elternteile Grundvoraussetzung dafür, dass eine gemeinsame elterliche Sorge
überhaupt in Betracht falle. Im vorliegenden Fall scheitere das gemeinsame
Sorgerecht bereits daran, dass es nach geltendem Recht (Art. 133 Abs. 3 ZGB)
vom Abschluss einer Vereinbarung über die Betreuungsanteile und den Unterhalt
sowie von der Vereinbarkeit mit dem Kindeswohl abhänge. Die Beschwerdegegnerin
sei zum Abschluss einer entsprechenden Vereinbarung nicht bereit, nachdem der
persönliche Umgang unter den Ehegatten während der Trennungszeit
ausserordentlich schwierig und eine (vernünftige) Kommunikation nahezu
unmöglich gewesen sei. Auch das Gutachten vom 18. Oktober 2007 komme zum
Schluss, dass ein gemeinsames Sorgerecht nicht durchführbar sei, da sich die
Eltern in vielen grundsätzlichen Erziehungsfragen uneinig seien und die
Kommunikation zwischen den Parteien vollständig versage. Die Situation sei
derart verfahren, dass daran auch eine Mediation nichts zu ändern vermöchte,
was sich insbesondere daran zeige, dass der Beschwerdeführer im letzten Jahr
kaum je bereit gewesen sei, von seinem Standpunkt auch nur geringfügig
abzuweichen.

2.1 Der Beschwerdeführer macht zunächst im Wesentlichen geltend, der
Appellationshof versuche, die Verweigerungshaltung und die durchgehende
Kommunikationsverweigerung ausschliesslich ihm anzulasten. Er listet eine Reihe
von Vorfällen auf, die seine ehemalige Frau betreffen, namentlich angeblich von
der Beschwerdegegnerin gegenüber den Eltern des Beschwerdeführers und ihrer
eigenen Mutter im Jahr 2004 bzw. 2005 ausgesprochene Drohungen und andere
Vorfälle, die sich in den Jahren 2005 und 2006 zugetragen haben sollen. Ferner
richtet er sich gegen das psychologische Gutachten und macht in diesem
Zusammenhang geltend, die Beschwerdegegnerin habe sich bei den Gutachtern so
darstellen können, dass ein Bild mit wenig Bezug zur Realität entstanden sei.
Ferner treffe auch die Behauptung nicht zu, dass ihm fast alle Mittel recht
seien, um seine Ziele durchzusetzen. Der Appellationshof habe es unterlassen,
das Gutachten auf seinen Wahrheitsgehalt zu überprüfen. Durch Berücksichtigung
dieser falschen Aussagen in der Urteilsbegründung werde der Vater diskriminiert
und seine Rechte gemäss Art. 8 BV und 35 BV verletzt. Im Folgenden äussert sich
der Beschwerdeführer namentlich zur stärkeren Bindung des Kindes zur Mutter
und zur Koppelung des mehrheitlichen Aufenthaltsortes eines Kindes mit dessen
Wohl.
Der Beschwerdeführer beschränkt sich in dieser Begründungslinie auf eine
Behauptung von Tatsachen, die in dieser Form im angefochtenen Urteil nicht
festgestellt worden sind. Im Weiteren legt er nicht dar, dass er diese
Behauptungen bereits im kantonalen Verfahren zur Bestreitung der
Glaubwürdigkeit des Gutachtens vorgetragen und insbesondere die fehlende
Glaubwürdigkeit des Gutachtens gerügt hat. Die vorgetragenen Tatsachen gelten
damit als neu und unzulässig (E. 1.2). Abgesehen davon setzen sich diese
Ausführungen grösstenteils nicht mit den Gründen des Appellationshofs
auseinander, aus denen das gemeinsame Sorgerecht ausgeschlossen worden ist.
Insoweit ist auf die Beschwerde nicht einzutreten.

2.2 Der Beschwerdeführer macht ferner geltend, der Umstand, dass der
Appellationshof mit seiner Auslegung von Art. 133 ZGB die Beschwerdegegnerin
entscheiden lasse, ob ein gemeinsames Sorgerecht erwünscht oder möglich sei,
komme einer Diskriminierung des geschiedenen Ehemannes gleich und verletze
somit Art. 14 i.V.m. Art. 8 EMRK sowie Art. 8 und 35 BV. Er stützt sich in
diesem Zusammenhang auf das Urteil Nr. 22028/04 des Europäischen Gerichtshofs
für Menschenrechte (EGMR) vom 3. Dezember 2009 Zaunegger gegen Deutschland.
2.2.1 Im besagten Entscheid hatte der Gerichtshof über den Fall eines mit der
Mutter des gemeinsamen Kindes nicht verheirateten Mannes zu entscheiden, der
sich über Jahre um das gemeinsame Kind gekümmert hatte; die Mutter hatte sich
einem gemeinsamen Sorgerecht widersetzt und der Vater vor den nationalen
Instanzen erfolglos darum gekämpft. Die angerufenen gerichtlichen Instanzen
verweigerten dem Vater das gemeinsame Sorgerecht. Sie stützten sich dabei auf §
1626a BGB, wonach die Eltern eines nicht ehelich geborenen minderjährigen
Kindes die elterliche Sorge gemeinsam ausüben können, wenn sie eine
entsprechende Erklärung abgeben (Abs. 1), andernfalls aber die Mutter das
alleinige Sorgerecht erhält (Abs. 2). Der EGMR erkannte, indem nicht abgeklärt
worden sei, ob das gemeinsame Sorgerecht dem Kindeswohl entspreche, sei der
Vater gegenüber der Mutter bzw. gegenüber den geschiedenen Vätern, die bei
einer Scheidung das gemeinsame Sorgerecht behalten, diskriminiert worden. Der
Gerichtshof bejahte deshalb eine Verletzung von Art. 14 EMRK
(Diskriminierungsverbot) i.V.m. Art. 8 EMRK (Recht auf Achtung des
Familienlebens) (siehe dazu das zitierte Urteil des EGMR §§ 46 bis 64 in
englischer und deutscher Fassung).
2.2.2 Nach Art. 133 Abs. 3 ZGB, der die Frage der gemeinsamen elterlichen Sorge
im Scheidungsfall regelt, belässt das Gericht auf gemeinsamen Antrag beiden
Eltern die elterliche Sorge, wenn sie sich in einer genehmigungsfähigen
Vereinbarung über ihre Anteile an der Betreuung des Kindes und die Verteilung
der Unterhaltskosten verständigt haben, sofern dies mit dem Kindeswohl
vereinbar ist.
Im vorliegenden Fall kann offenbleiben, ob die zitierte Rechtsprechung des EGMR
überhaupt auf den Fall von Art. 133 Abs. 3 ZGB übertragen werden kann. Entgegen
der Behauptung des Beschwerdeführers hat der Appellationshof nicht
ausschliesslich darauf abgestellt, dass die Beschwerdegegnerin sich weigert,
ein gemeinsames Sorgerecht der Eltern über die Tochter zu akzeptieren und eine
Vereinbarung über die Beteiligung beider Parteien an den Betreuungsaufgaben und
an den Unterhaltskosten zu unterzeichnen. Er hat sich vielmehr ausdrücklich mit
der Frage befasst, ob ein gemeinsames Sorgerecht beider Eltern mit dem
Kindeswohl der Tochter zu vereinbaren wäre. Er hat dies verneint und dabei
insbesondere auf das einschlägige psychologische Gutachten vom 28. Oktober 2007
verwiesen, wonach ein gemeinsames Sorgerecht nicht durchführbar sei, weil sich
beide Eltern in vielen grundsätzlichen Erziehungsfragen nicht einig seien und
eine Kommunikation zwischen beiden Eltern vollständig versage. Der Gutachter
hält im Weiteren dafür, für die Tochter resultiere aus dieser Situation ein
Loyalitätskonflikt, da sie in den Kampf der Eltern um ihre Person miteinbezogen
werde und sich quasi für einen Elternteil entscheiden solle. Dieser
Loyalitätskonflikt stelle eine Bedrohung für ihre Entwicklung dar. Die
Situation ist laut Gutachter derart verfahren, dass auch die vom
Beschwerdeführer beantragte Mediation nichts zu ändern vermöchte. Das zeige
sich, so der Gutachter, insbesondere daran, dass der Beschwerdeführer in den
vergangenen Jahren kaum je bereit gewesen sei, von seinem Standpunkt nur
geringfügig abzuweichen. Der Beschwerdeführer hat im vorliegenden
Beschwerdeverfahren die aus dem Gutachten gezogenen Schlüsse nicht
rechtsgenüglich als verfassungswidrig beanstandet. Damit aber ist vorliegend
eine Verletzung von Art. 14 i.V.m. Art. 8 EMRK zu verneinen, zumal die
Vorinstanz nach einer ausführlichen Würdigung des Sachverhalts im Lichte des
Kindeswohls und aus sachlichen Gründen ein gemeinsames Sorgerecht beider Eltern
abgelehnt hat. Soweit sich der Beschwerdeführer auf Art. 8 und 35 BV beruft,
stützt er sich auf die gleiche Begründung wie für die behauptete Verletzung von
Art. 8 i.V.m. Art. 14 EMRK. Der Rüge der Verletzung von Art. 8 und 35 BV kommt
somit keine selbstständige Bedeutung zu. Abgesehen davon begründet der
Beschwerdeführer auch nicht, inwiefern ihm die angerufenen Bestimmungen der
Bundesverfassung einen weitergehenden Anspruch einräumen als Art. 8 i.V.m. Art.
14 EMRK.

3.
3.1 Mit Bezug auf die ebenfalls strittige Frage der Mediation hat das
Obergericht erwogen, der Beschwerdeführer berufe sich auf den
Bundesgerichtsentscheid 5A_457/2009 vom 9. Dezember 2009, wo die
vorinstanzliche Anordnung der Mediation gestützt auf Art. 307 Abs. 3 ZGB
geschützt worden sei. Nach diesem Entscheid betreffend Kindesschutzmassnahmen
räume das Gesetz dem Gericht einen grossen Ermessensspielraum ein. Nach Art.
214 Abs. 1 ZPO könne das Gericht den Parteien eine Mediation empfehlen. Art.
297 Abs. 2 ZPO sehe vor, dass das Gericht die Eltern zu einem Mediationsversuch
auffordern könne. Der Gesetzgeber gehe somit von der Freiwilligkeit, nicht von
einer Verpflichtung zur Mediation aus. Im vorliegenden Fall sei davon
auszugehen, dass ein Mediationsversuch wegen der respektlosen Art und Weise des
Umgangs des Beschwerdeführers mit der Beschwerdegegnerin zum Scheitern
verurteilt sei. Wer die Gegenpartei, die zu einer Mediation Hand bieten solle,
derart angreife, wie der Beschwerdeführer die Beschwerdegegnerin, werde in der
Mediation nicht plötzlich von seiner Position abweichen. Eine Mediation setze
gegenseitiges Nachgeben voraus. Informativ seien die Aussagen der Beiständin,
wonach es lediglich möglich gewesen sei, eine klar definierte Aufgabe
(Betreuungszeiten für die Tochter) zu lösen, was angesichts der Ausgangslage
bereits als Erfolg zu werten sei. Mehr erreichen zu wollen sei illusorisch.

3.2 Der Beschwerdeführer rügt im Wesentlichen, die gestörte Kommunikation könne
nur durch eine Mediation normalisiert werden. Mit der Argumentation des
Appellationshofs werde der Beschwerdegegnerin erneut ein Veto-Recht eingeräumt,
was BGE 5A_457/2009 E. 4.1 widerspreche. Nach diesem Entscheid gehe es nicht um
die Beziehung der Eltern, sondern darum, Lösungen im Hinblick auf das
Zusammenwirken der Eltern bei Kindesschutzmassnahmen zu suchen.

3.3 Soweit sich der Beschwerdeführer auf den Entscheid 5A_457/2009 vom 9.
Dezember 2009 beruft, übersieht er, dass dieser nur Kindesschutzmassnahmen
betrifft. Zudem billigt das Bundesgericht der rechtsanwendenden Behörde in
dieser Hinsicht einen Ermessensspielraum zu (E. 4.3). Die Ausübung
richterlichen Ermessens durch die letzte kantonale Instanz überprüft das
Bundesgericht mit Zurückhaltung; es schreitet nur ein, wenn grundlos von den in
Lehre und Rechtsprechung entwickelten Grundsätzen abgegangen wird, wenn
Tatsachen berücksichtigt werden, die keine Rolle hätten spielen dürfen, oder
umgekehrt Umstände ausser Betracht geblieben sind, die zwingend hätten beachtet
werden müssen (BGE 132 III 49 E. 2.1 S. 50/51; 126 III 223 E. 4a S. 227/228).
Das Obergericht hat im konkreten Fall das Verhalten des Beschwerdeführers
gegenüber der Beschwerdegegnerin als respektlos gewürdigt. Es hat zudem
aufgrund der konkreten im angefochtenen Entscheid erwähnten und vorliegend
wiedergegebenen Umstände geschlossen, der Versuch einer Mediation sei zum
Scheitern verurteilt. Der Beschwerdeführer legt nicht dar, inwiefern der
Appellationshof damit seinen Ermessensspielraum überschritten haben soll und
dies ist auch nicht ersichtlich.

4.
4.1 Das Obergericht hat mit Bezug auf das Besuchsrecht des Beschwerdeführers
gegenüber seiner Tochter erkannt, der Beschwerdeführer betreue sie alle zwei
Wochen von Freitag 17.00 Uhr bis Dienstagmorgen Schulbeginn, in den anderen
Wochen von Montagmittag Schulschluss bis Dienstagmorgen Schulbeginn. Das
Obergericht hat damit den erstinstanzlichen Entscheid insofern abgeändert, als
es das an den sogenannten kurzen Wochenenden ab Sonntag, 18.00 Uhr geltende
Besuchsrecht gestrichen und durch die im obergerichtlichen Urteil erwähnte und
soeben wiedergegebene Lösung (von Montag Schulschluss bis Dienstagmorgen
Schulbeginn) ersetzt hat. Das Obergericht hat dabei den auf Beibehaltung der
Besuchsrechtsregelung gerichteten Willen der Tochter hervorgehoben, hat jedoch
dem Familienleben der Beschwerdegegnerin grössere Bedeutung beigemessen und
insofern darauf Rücksicht genommen, als die Tochter jeweils alternierend ein
ganzes Wochenende bei der Mutter in A.________ verbringen können soll.

Der Beschwerdeführer wendet dagegen im Wesentlichen ein, die im Jahr 2010
praktizierte Lösung habe funktioniert und die Tochter habe sich für eine
Beibehaltung dieser Lösung ausgesprochen. Zwar sei es vernünftig anzunehmen,
dass seine Tochter je einen Sonntag in D.________ und in A.________ verbringen
solle. Der Appellationshof unterschlage jedoch die Tatsache, dass er und die
Tochter während der Zeit, in der das Kontaktrecht durch die Mutter verletzt
worden sei, nie einen Sonntagabend hätten gemeinsam verbringen können.

Welche Ordnung des persönlichen Verkehrs zwischen Eltern und Kindern angemessen
ist, lässt sich nicht objektiv und abstrakt umschreiben (HEGNAUER, Berner
Kommentar, N 61 zu Art. 273 ZGB), sondern entscheidet sich im konkreten
Einzelfall nach richterlichem Ermessen (Urteil 5C.36/1997 vom 10. April 1997 E.
3; 5C.271/2001 vom 19. März 2002 E. 3c). Das Bundesgericht überprüft die
Ausübung des Ermessens - wie bereits erwähnt (E. 3.3 hiervor) - mit
Zurückhaltung. Es ist nicht ersichtlich, inwiefern der Appellationshof mit der
Berücksichtigung der Anliegen der Beschwerdegegnerin sein Ermessen
überschritten haben könnte, und der Beschwerdeführer zeigt Entsprechendes auch
nicht auf, beschränkt er sich doch einmal mehr auf Behauptungen. Soweit in
diesem Punkt auf die Beschwerde überhaupt eingetreten werden kann, erweist sie
sich als unbegründet.

4.2 Hinsichtlich der übrigen Regelungen des Besuchsrechts nimmt der
Beschwerdeführer gar nicht Bezug auf die Erwägungen des angefochtenen
Entscheids. Ihm geht es, wie er selbst sagt, nur darum, die Ausgestaltung der
Betreuungszeiten genauer zu formulieren. Insoweit liegt keine genügend
begründete Beschwerde vor. Darauf ist nicht einzutreten.

5.
Das Obergericht hat unter Dispositiv-Ziff. 7 die weiteren Anträge des
Beschwerdeführers zu den Kinderbelangen abgewiesen. Der Beschwerdeführer
verlangt nunmehr: Die Vormundschaftsbehörde der Gemeinde A.________ und die
Beistandschaft von Y.________ wird über die explizit in Punkt 2.9 aufgeführte,
nötige und erhöhte Wachsamkeit im Rahmen der Aufsichtspflicht der Mutter von
Y.________ informiert. Relevante Informationen müssen gegenseitig, ereignisnah,
aktiv und zum Schutz von Y.________ von der Vormundschaftsbehörde an die
Beistandschaft weitergegeben werden.

Soweit ersichtlich betrifft dieser Antrag die E. 2.9 des angefochtenen Urteils.
Danach hat der Beschwerdeführer beantragt, die Beschwerdegegnerin sei zu
verpflichten, die Tochter nie allein und ohne erwachsene Person mit
einwandfreiem Leumund in Kontakt mit T.________ kommen zu lassen. In der
Trennungsvereinbarung vom 27. Mai 2005 habe sich die Beschwerdegegnerin
verpflichtet, dass es nur in ihrer Anwesenheit oder in Anwesenheit erwachsener
Personen zu Kontakten zwischen der Tochter und T.________ komme. Das
Obergericht hat diese Weisung als übertrieben erachtet, weil T.________ kein
strafbares Verhalten habe vorgeworfen werden können. Die Aufsichtspflicht der
Eltern und die Beistandschaft böten genügend Gewähr dafür, dass allgemeinen
Gefahren für die Tochter begegnet werden könne.

Auch in diesem Punkt geht der Beschwerdeführer nicht auf die Erwägungen des
angefochtenen Urteils ein und erörtert nicht, inwiefern das Obergericht mit der
Weigerung einer Weisung sein Ermessen überschritten oder sonst wie Bundesrecht
verletzt hat. Darauf ist nicht einzutreten.

6.
Damit ist die Beschwerde abzuweisen, soweit darauf eingetreten werden kann. Bei
diesem Ausgang des Verfahrens wird der Beschwerdeführer kostenpflichtig (Art.
66 Abs. 1 BGG). Der Beschwerdegegnerin, die sich weder zum Gesuch um
aufschiebende Wirkung noch zur Sache hat vernehmen lassen, wird für das
bundesgerichtliche Verfahren keine Entschädigung zugesprochen.

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist.

2.
Die Gerichtskosten von Fr. 3000.-- werden dem Beschwerdeführer auferlegt.

3.
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Obergericht des Kantons Bern,
Appellationshof, 2. Zivilkammer, schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 22. Juni 2011
Im Namen der II. zivilrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts
Die Präsidentin: Der Gerichtsschreiber:

Hohl Zbinden