Vaterrechte Schweiz
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Gerichtsfälle

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Anspruch auf Unterhalt bei einem volljährigen Kind

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Datum: 05.11.2009 Drucken / PDF erstellen:
Herkunft: www.gerichte.lu.ch Weitere Dokumente: -
   
In der Regel endet die Unterhaltspflicht der Eltern gegenüber ihren Kindern mit deren Mündigkeit.
Hat das Kind bei Erreichen des 18. Altersjahres noch keine angemessene Ausbildung, welche den Eintritt in das Erwerbsleben ermöglicht, sind die Eltern bei gegebenen Voraussetzungen verpflichtet, ihr mündiges Kind weiterhin bis zum ordentlichen Abschluss der geplanten Ausbildung finanziell zu unterstützen (Art. 277 ZGB).
Voraussetzungen
Der zusammen mit den Eltern erarbeitete Ausbildungs- bzw. berufliche Lebensplan ist bei Erreichen der Mündigkeit noch nicht abgeschlossen, so dass das volljährige Kind nicht in das Erwerbsleben eintreten kann.
Die Unterstützung der Eltern gegenüber ihrem mündigen Kind muss zumutbar sein. Das heisst insbesondere

* Die finanziellen Verhältnisse der Eltern erlauben es, das mündige Kind weiterhin zu unterstützen. Hierzu sind die Einkommen (inkl. Einkommensersatz wie Arbeitslosentaggelder, Stipendien oder zumutbare Naturalleistungen) und das Vermögen sowohl der Eltern, als auch des mündigen Kindes zu berücksichtigen.
* Die Unterstützung ist den Eltern auch unter dem Gesichtspunkt der persönlichen Beziehung zumutbar. Ein unbegründeter Kontaktabbruch durch das Kind kann dazu führen, dass kein Unterhalt geschuldet ist.
* Das mündige Kind muss für die beabsichtigte Ausbildung geeignet sein und diese ernsthaft und zielstrebig verfolgen.

Die Eltern und das mündige Kind können sich einigen Eltern und ihr mündiges Kind können eine Vereinbarung über den Unterhalt treffen. Es braucht dazu keine Genehmigung einer Behörde. Das volljährige Kind kann selbständig, d.h. ohne Vertretung handeln.
Die Eltern und das mündige Kind können sich nicht einigen. Können sich die Eltern oder ein Elternteil und das volljährige Kind nicht einigen, kann das Kind auf Leistung des Unterhalts klagen. Die Unterhaltsklage richtet sich gegen den Vater oder die Mutter oder gegen beide Elternteile. Der Unterhalt kann für die Zukunft und für ein Jahr vor Klageanhebung (Aussöhnungsbegehren) gefordert werden.
Vorgehensweise

1. Aussöhnungsbegehren an das Gericht einreichen
2. Fand der Aussöhnungsversuch statt und blieb er erfolglos, hat das volljährige Kind, innert zwei Monaten seit dem Aussöhnungsversuch die Unterhaltsklage einzureichen.

Zuständigkeit
Das volljährige Kind kann das Aussöhnungsbegehren und die Unterhaltsklage am Gericht seines Wohnsitzes oder am Gericht des Wohnsitzes des beklagten Elternteils einreichen. Sachlich zuständig ist das Amtsgericht, wobei der Aussöhnungsversuch und die Verhandlung in der Hauptsache von einem Instruktionsrichter geleitet werden.
Kosten der Unterhaltsklage vor Gericht
(siehe auch Kosten im Zivilprozess)
Die Kosten vor Gericht richten sich nach dem Gerichtskostengesetz und der Kostenverordnung. Die Kostenverordnung gibt einen Kostenrahmen vor. Innerhalb dieses Kostenrahmens werden die tatsächlichen Kosten festgesetzt. Nach Eingang des Aussöhnungsgesuchs und Unterhaltsklage, wird zunächst je ein Gerichtskostenvorschuss verlangt.



KostenvorschussGerichtskosten
AussöhnungsgesuchFr. 200.00Fr. 150 - 300
KlageFr. 700.00 / 1700Fr. 500 - 3000


Sind nicht genügend finanzielle Mittel vorhanden, um für die Prozesskosten aufzukommen, kann ein Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege eingereicht werden.